Liebe

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Was ich ( als z.Zt. Single ) manchmal vermisse, ist die enge Vertrautheit mit einem anderen Menschen, das Sich-ohne-Worte-Verstehen, vollkommen verstanden sein nur mit einem Blick, einer Geste, glückliche Momente teilen und damit verdoppeln im Erleben durch ein gemeinsam verstehendes Lächeln, einen Händedruck, ein leichtes Berühren....
Und natürlich gehört auch die körperliche Liebe dazu in all ihren vielfältigen Ausdrucksformen, vom Augenkontakt, vom gesprochenen Schlüsselwort (dessen Bedeutung nur der Partner auf Grund gemeinsamen Erlebens in der Vergangenheit versteht) über eine flüchtige Berührung,einen prickelnden Flirt bis hin zum intimen Erschauern gleichzeitigen Erlebens in totaler Selbstoffenbarung ohne Grenzen oder Hemmungen, getragen von gegenseitigem vorbehaltlosen Vertrauen....

Und auch das kritische Gegenüber:
Der Mensch, dem ich vertraue, mit dem ich aber nicht nur Seeligkeit teile, sondern der auch in der Lage ist, mir den Spiegel vorzuhalten und meine Verhaltensweisen in Frage zu stellen. Das ist die vielleicht beste Art, sich selbst mit anderen Augen zu sehen, sich auch kritisch zu sehen und so zu lernen und
sich weiter zu entwickeln.

Liebe = Vertrauen, Toleranz, Rücksichtnahme,
              Zärtlichkeit, Zuneigung, Gefühle zulassen und ausleben,
              Geborgenheit, eine Prise Romantik,
              aber auch durch Kritik wachsen am Anderen...aneinander...

Es gibt so viele Faszetten der Liebe, und kaum werde ich sie alle erfassen können.

Immer gehört wohl dazu, daß zwei Partner trotz aller Zuneigung Eigenständigkeit bewahren, sich gegenseitig Freiräume lassen, den anderen als Individuum anerkennen (und nicht als "ein Teil von mir") und sich täglich neu die Liebe des Anderen "verdienen".
Damit meine ich nicht, sich in sklavische Abhängigkeit zu begeben, dem anderen "die Füße zu küssen", denn ein Sklave ist kein gleichwertiger Partner und als solcher nicht akzeptabel - verdienen meine ich im Sinne von sich bewähren, auf gleichwertiger Basis dem Anderen gegenüber immer wieder zeigen, daß seine Wertschätzung meiner Person richtig ist. Das kann auch durch Kleinigkeiten geschehen, eine Geste, ein Blick, die Verstehen und Mitfühlen beweisen.

Und Romantik:
Vielleicht ist sie heute etwas aus der Mode gekommen, dennoch sage ich ja dazu:
Wie bei allen schönen Erlebnissen ist es doch auch in romantischen Momenten so, daß durch Verständnis und gemeinsames Erleben der Augenblick doppelt schön sein kann.
Der Sonnenuntergang mit dem manchmal kitschig schönen Farbenspiel am Himmel, der Wolkenbruch, der Sturm, der Vogelflug , Essen bei Kerzenlicht, ein Konzert, solche Momente - gemeinsam erlebt - haften tief in der Erinnerung und tiefer, als allein erlebt.
Ein wenig Romantik verschönert das gemeinsame Erleben, also: warum nicht ?
Romantik ist Verklärung des Alltäglichen durch die gemeinsame Sichtweise.
Somit kann alles romantisch sein, der Tautropfen auf dem Grashalm genauso wie das Feuerwerk an einem Sommerabend oder der Gesang von Einheimischen auf einer Karibikinsel. Auf das gemeinsame Erleben kommt es an, auf die eigene Sichtweise - nicht auf den Ort.
Wenn die "Chemie" zwischen zwei Menschen "stimmt" , kann aus ihrer Sicht jedes Alltagserlebnis voller Romantik sein.
Und wenn das ihr Leben bereichert, positives gemeinsames Erleben bedeutet, Gleichklang verursacht, dann kann ich gar nicht genug davon haben !

 Zur Liebe gehören aber auch Toleranz und Rücksichtnahme.
In einer Partnerschaft muß ich immer auch Kompromisse machen, mein eigenes Wollen wenigstens zum Teil zurücknehmen, mich den Wünschen des Partners anpassen.
Das ist vielleicht der schwierigste Teil:
Die Balance finden zwischen Egoismus und Selbstaufgabe.
Beide Extreme sind für eine Partnerschaft tödlich - es gilt, den für beide akzeptablen Mittelweg zu finden.
Bei einer wirklich vorhandenen Liebe wird das gelingen, obwohl jeder Mensch irgendwo seine Grenzen hat. In einer Partnerschaft muß das aber ausgesprochen werden, wir müssen bereit sein, über alles zu reden. Fehlt diese Bereitschaft, werden sich die "Fronten" verhärten und das ist der Anfang vom Ende:
Wenn Du glaubst, genau zu wissen, was der Andere denkt und nicht mehr nachfragst, ob Du mit Deiner Interpretation richtig liegst, kannst Du sicher sein, etwas falsch zu machen.
Bei Partnern, die schon lange zusammenleben, kannst Du manchmal beobachten, wie einer von beiden nach kurzem Wortwechsel plötzlich beleidigt "zumacht" ( soll heißen: das Gespräch abbricht), ohne das für einen Dritten der Grund ersichtlich ist.
Meist hat sich hier so ein Automatismus ergeben, wo ein Partner denkt, er verstehe den Anderen total, aber nicht nachfragt, ob er das richtig verstanden hat.
Natürlich gibt es Grenzen für Toleranz und für jeden, der sich darin übt, und natürlich gehört zum Zusammenleben auch mal ein Krach, der sich gewaschen hat. Wenn aber die Wolken sich verzogen haben sollte ein reifer Mensch in der Lage sein, nachzufragen, ob er den Anderen wirklich richtig verstanden hat und damit bereit, Mißverständnisse aufzuklären.
Und das meine ich mit: den Mittelweg finden:
Egoistisch nur die eigenen Interessen durchsetzen zerstört eine Bindung,
und sklavisch die des Anderen akzeptieren auch !
Zusammenraufen ist hier die Devise, und mit etwas Toleranz und Liebe geht das !!
Voraussetzung ist natürlich, daß beide den Anderen als gleichwertigen Partner sehen, hält sich einer für besser und bleibt uneinsichtig - vergiß ihn !

Findest Du aber jemanden, der eine ähnliche Grundeinstellung hat, der offen ist und bereit, auch einmal eigene Verhaltensweisen in Frage zu stellen, dann wirst Du im Beisammensein mit ihm eine Zufriedenheit - ja, ein Glück empfinden das Dir sicher sagt: Hier bist Du richtig !
Und dann lohnt es sich, auf diesen Anderen einzugehen und den Versuch einer echten Partnerschaft zu wagen !